Ich lasse mich manchmal ablenken und bemerke es erst einige Zeit später. Das ist normal und meine Ablenkung geht mit einer Entspannung einher. Kein sinnloses Scrollen am Handy, sondern Abschalten, um neue Gedanken zu formen.
Die Flut an Informationen und die Möglichkeit diese zu konsumieren führt dazu, dass man sich leicht ablenken lässt. Damit verpasst man im Gegenzug aber viele wichtige Dinge. Manchmal ist diese Ablenkung bewusst gewollt und kommt einer Betäubung gleich und zu einer anderen Zeit verliert man einfach die Konzentration und schweift unbewusst in die Ferne.
Die moderne Zeit überfordert viele Menschen und ich muss für mich selbst aufpassen, nicht in den Sog der Ablenkung zu geraten. Meine Ablenkung heißt nicht selten YouTube und ich mache mich nicht davon frei auch sinnfreie Videos zu konsumieren. Doch nach kurzer Zeit bemerke ich, dass irgendetwas nicht stimmig ist und schalte einfach ab. Dabei ist es mir völlig egal, ob das Video lustig war oder ob es schon zu Ende ist. Meine Erkenntnis daraus ist eine ganz banale in meinen Augen. Die Ablenkung ist nicht das Problem. Die mangelnde Bereitschaft den Schalter umzulegen und sich wieder sinnvollen Aufgaben zu widmen ist das Problem.
Ergo sind es nicht die Medien und zu vielen Informationen, sondern wir selbst sind das Problem, wenn wir uns nicht beherrschen können. Dabei die Schuld auf das Angebot zu schieben wird zu einem Theaterstück abseits der Realität.
Es ist eine Kunst, die eigene Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge zu lenken. Dabei ist es essentiell im Kopf die eigenen Gedanken im Griff zu haben und vorzusortieren. Ich handhabe es so, dass meine Gedanken in eine Art Pipeline gestellt werden. Neue Gedanken werden zwischendurch einfach an die passenden Stellen eingefügt. Es kommt auch vor, dass ich einen Gedanken irgendwann für überflüssig halte und ihn wieder aussortiere.
Man sagt so leicht, dass man Prioritäten setzen muss und im weitesten Sinne stimmt es auch. Doch eben nicht ganz. Ich bin der Meinung, dass es für viele Menschen wichtig ist, eine Zeit der Ablenkung zu priorisieren, damit sie wieder klar denken können. Nicht jeder ist dafür gemacht einfach umzuschalten und weiterzumachen. Die meisten tun sich schwer mit dem Switch und ärgern sich später darüber, dass sie nichts geschafft und ihre Zeit verschwendet haben.
Es ist immer die eigene Wahl, auf welche Seite man sich stellt. Auf die Seite der ewigen Konsumenten oder der Erschaffenden. Ich finde, dass der Sweet Spot irgendwo dazwischen angesiedelt ist. Denn sich ständig auf die ein oder andere Seite zu stellen führt vermutlich zu einem Breakdown oder Burnout.
Meine Oma sagte immer, dass ich mich um meine eigenen Sachen kümmern muss, weil sie keiner für mich macht. Das sie damit Recht hatte, liegt auf der Hand, denn von allein bewegt sich nichts, nichtmal der Wind.
