Eine andere Sichtweise

Eine andere Sichtweise

Von Heiko

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Ich habe mich heute mit dem MacBook einfach an den Tisch gesetzt, alle anderen sonst offenen Fenster geschlossen und mir einen Milchkaffee gemacht. Denn ich brauche einen Wechsel, um wieder klar denken zu können.

Manchmal, und heute ist so ein Tag, schlägt mein Drang nach einem sehr aufgeräumten und minimalistischeren Wohnen und Arbeiten so richtig zu. Mir sind heute viele Dinge zu viel, in meinem Sichtfeld und meinen Gedanken. Das Gefühl mich einzuengen ist groß und daher flüchte ich vom großen Bildschirm weg an den Tisch. Auf meinem MacBook sind alle Programme, die sonst offen sind geschlossen und ich habe nur noch Safari offen, um diesen Beitrag zu schreiben. Ich könnte dies als Herunterfahren meiner Systeme beschreiben, denn im Prinzip könnte ich mich in einen leeren Raum setzen und schreiben oder einfach sein. Der Drang nach Ruhe und eine einfache Umgebung zählt dazu, wird unbändig groß.Als ich in der Küche Anna einen Kaffee gemacht und zurück kam um mir ebenfalls einen Kaffee zu machen, habe fiel mir sehr stark auf, wie sehr mich heute Kleinigkeiten stören.

Es sind Tage wie dieser, die mich zweifeln und hoffen lassen. Zweifeln über den Sinn des Ganzen und hoffen auf eine Besserung. Mir wird heute wieder bewusst, warum ich gern mit wenig auskomme, auch wenn mir tausende Sachen zur Verfügung stehen. Ich sehe ein Chaos, welches für andere noch gar keins ist. Ich sehe viele Dinge, die ich seit Jahren nicht angefasst habe und doch sind sie da. Für mich ist es eine Schere die immer weiter auseinandergeht. Das hat nichts mit dem Alter zu tun, denn mir erging es schon immer so, ich habe nur einen Kompromiss gelebt. In einer Partnerschaft ist dies sehr wichtig aufeinander Rücksicht zu nehmen und ich bin dankbar für Anna, die mir dabei immer eine große Hilfe ist. Heute eher mental und früher hat sie den Laden in Schwung gehalten, so dass es mir gut ging. Doch die Zeiten haben sich geändert und Anna fällt schon seit Jahren aus und ich leide still in einem Wust aus Dingen. Für mich sind manche Sachen nur wichtig, wenn sie einen Zweck erfüllen, für die ich sie benötige. Sobald diese Zeit vorbei ist, brauche ich sie nicht mehr und erfahrungsgemäß fasse ich sie auch nicht wieder an. Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt, sondern eher von einer guten Zukunft träumt und in der Gegenwart gefangen ist.

Somit werde ich den heutigen Tag anders verbringen. Zwar immer noch im Haus, aber an anderen Orten. Vielleicht setze ich mich später auf die Treppe oder auf den Boden, nur um einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Das wird sich zeigen, je nach Gefühl. In mir schlummern Fähigkeiten, die derzeit gedämpft werden und ich mag es, wenn ich sie ausleben kann. So ausleben, dass andere Menschen nicht verstehen können, wie das möglich ist. Diesen Zustand gilt es wieder herzustellen, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Ich werde Blickwinkel finden, die das Chaos verblassen lassen, so das es mich nicht einengt. Das ist in der Tat leichter gesagt als getan, denn ich fühle jeden einzelnen Gegenstand und viele davon scheinen mich zu belasten. Manchmal drehen sich meine Gedanken darum, wie gut es einfache Menschen haben, auch wenn sie es gar nicht bemerken. Kein Gehirn unter dauerhafter Höchstleistung, keine Überflutung der Sinne. Das klingt gut und ist für mich nicht möglich, selbst wenn ich es erzwingen wollte.

Ich bin kein Mensch, der auffällig ist. Ich bin gern allein und suche die Ruhe, die mich gleichzeitig fordert. Ich mag keine Menschenmassen und schon gar keine überschwänglichen lauten Menschen. Die besten Zeiten sind einfach die, in denen ich in die Natur blicke, auf einer Bank sitze. Das habe ich mit Anna fast jeden Tag gemacht und es fehlt mir schon etwas. Meine Routinen haben sich verändert, gezwungener Maaßen. Denn die Realität verlangt es so. Ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft wieder zusammen mit Anna auf einer Bank sitzend die Natur genießen kann. Dann bin ich glücklich und zufrieden. Es sind diese Momente an denen mir noch bewusster wird, mit wie wenig ich ein glückliches Leben leben kann.

Hier am Tisch ist mein Kaffee nun leer und der Beitrag ist anders als gedacht geworden, doch ich habe ihn einfach laufen lassen, denn das ist es, was hilft. Nichts zu unterdrücken und sich nicht einschränken, auch wenn Letzteres für viele merkwürdig klingt, denn für die meisten Menschen ist das was ich tue eine Einschränkung Sie wollen immer mehr und sind nie satt. Ich hingegen bin übersättigt, von einer kranken Gesellschaft, einem System was nicht gut tut und von den Schokohasen, die seit Ostern noch auf dem Tisch stehen. Diesen Zustand werde ich gleich abstellen, bevor ich mit meinem Tag fortfahre.