Es gibt dieses kleine Wort, das uns erstaunlich oft beruhigt: später.
Später rufe ich an.
Später mache ich die Reise.
Später kümmere ich mich darum.
Später nehme ich mir mehr Zeit für mich.
Später sage ich, was ich eigentlich schon lange sagen wollte.
Später klingt vernünftig. Schließlich können wir nicht alles gleichzeitig tun. Wir müssen planen, Prioritäten setzen und manchmal Dinge verschieben.
Das Problem beginnt dort, wo aus „später“ irgendwann „irgendwann“ wird.
Denn wir leben häufig so, als läge vor uns ein nahezu unbegrenzter Vorrat an Tagen. Natürlich wissen wir, dass das nicht stimmt. Niemand muss uns erklären, dass ein Leben endlich ist.
Und trotzdem verhalten wir uns erstaunlich oft so, als wäre Zeit etwas, das immer wieder nachgefüllt wird.
Vielleicht liegt das daran, dass wir die Endlichkeit unseres Lebens zwar verstehen, aber im Alltag kaum fühlen.
Morgen wirkt selbstverständlich.
Der nächste Sommer ebenfalls.
Das nächste Weihnachtsfest irgendwie auch.
Doch selbstverständlich ist davon nichts.
Das bedeutet nicht, dass wir nun jeden Tag behandeln müssten, als wäre es unser letzter. Dieser Gedanke klingt eindrucksvoll, wäre im wirklichen Leben aber ziemlich anstrengend. Rechnungen müssen trotzdem bezahlt, Wäsche gewaschen und Termine eingehalten werden.
Vielleicht genügt etwas viel Einfacheres:
Uns gelegentlich daran zu erinnern, dass Zeit nicht nur vergeht. Wir geben sie aus.
Eine Stunde, die vergangen ist, bekommen wir nicht zurück.
Das macht sie nicht automatisch wertvoll. Eine Stunde auf dem Sofa kann genauso richtig sein wie eine Stunde voller Produktivität.
Entscheidend ist vielleicht nur, ob wir unsere Zeit bewusst verschenken oder sie einfach verschwinden lassen.
Denn irgendwann gibt es für manche Dinge tatsächlich kein später mehr.
Der Mensch, den wir anrufen wollten, ist nicht mehr da.
Der Ort, den wir besuchen wollten, hat sich verändert.
Unsere Gesundheit erlaubt etwas nicht mehr.
Oder wir selbst sind längst ein anderer Mensch geworden.
Vielleicht sollten wir deshalb nicht alles sofort tun.
Aber bei den Dingen, die uns wirklich wichtig sind, könnten wir uns gelegentlich fragen:
Warum eigentlich später?
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